Einführung

1. Risiko-Kategorien

Skitourenguru hilft dir bei der Auswahl einer Skitour. Zu diesem Zweck wird zweimal pro Tag, nämlich am 8.30 h und am 17.30 h, ein Risiko-Indikator im Bereich von 0 bis 3 berechnet.

Symbol Werte Definition gemäss GRM Interpretation
0..1

Tiefes Risiko

Relativ sicher, wenn keine speziellen Gefahrenzeichen

Achtung: Der Skitourenguru (bzw. die Grafische Reduktionsmethode) darf nie alleiniges Kriterium für den JA/NEIN-Entscheid sein.

Heisst grün, dass ich die Route unbesehen begehen darf? Nein! Die praktische Lawinenkunde setzt stark auf sogenannte Filter, wie sie beispielsweise in der 3x3-Regel bzw. im Merkblatt Achtung Lawinen! zum Ausdruck kommen. Für jeden Filter gilt ein NEIN als NEIN. Ein JA hingegen ist immer nur ein "vorläufiges JA". "Vorläufiges JA" bedeutet, dass der Beurteilungsprozess weitergeführt werden darf.

Grün bedeutet deshalb nichts weiteres als: Diese Skitour kann bei der Planung in Betrachtung gezogen werden, muss aber einer weiteren kritischen Beurteilung unterzogen werden.

1..2

Erhöhtes Risiko

Vorsicht! Erfahrung!

  • Muster! Abwägen mit Fokus auf das Lawinenrisiko im Einzelhang
  • Geschickte Routenwahl und geschicktes Verhalten
  • Unerfahrene sollten diesen Bereich meiden
  • Ausbildung und Erfahrung notwendig

Im Merkblatt Achtung Lawinen! steht zu orange wortwörtlich: "Erhöhtes Risiko, Vorsicht! Erfahrung!". Als Erfahrene/Erfahrener könnte ich somit orange als Freipass interpretieren. André Roch schreibt zu diesem Thema: "Experte, pass auf! Die Lawine weiss nicht, dass du Experte bist."

Orange bedeutet, dass nur Erfahrene den Beurteilungsprozess weiterführen können. Erfahrene müssen in der Lage sein, die aktuellen lawinenbildenden Schlüsselfaktoren zu erkennen und der Situation entsprechend zu gewichten und zu vernetzen.

Es muss jedoch offen bleiben, ob diese weiterführende Beurteilung zu einem JA oder NEIN kommt. Ein NEIN sollte das wahrscheinlichere Szenario sein. Dies gilt auch und insbesondere für Erfahrene.

Erfahrung ist eben eine Pflicht und kein Recht.

2..3

Hohes Risiko

Verzicht empfohlen!

Heisst rot, dass es auf dieser Route zu einem Lawinenabgang kommt? Nein! Die Grafische Reduktionsmethode (GRM) kann immer nur eine probabilistische Aussage machen. Rot bezeichnet Abschnitte bzw. Touren, die typische Eigenschaften aufweisen, wie sie häufig bei Lawinenunfällen vorkommen: Erheblich, Nordhang und steil. Rot heisst in der Regel NEIN!

 

Wenn du mehr wissen willst zu den Risiko-Kategorien, dann lese unter Risiko-Kalkulation.

 

Jede Skitour wird nach ihrem Risikowert in eine Tabelle eingeordnet. Durch einen weiterführenden Link kann die Tour auf der Swisstopo-Karte (Massstab bis zu 1 : 5000) im Detail analysiert werden. Dabei ist jeder Abschnitt der Tour gemäss ihrem Risikowert eingefärbt.

Bild: Beispiel der Streckenbewertung mittels Ampelfarben am Ortstock (Achtung: Nicht geeignet zur Begehung!).


2. Schneemengen

Auf der Swisstopo-Karte wird zudem die Schneemenge mit Hilfe von verschiedenen Kombinationen aus blau-weiss-transparent visualisiert. Der Schneemengen-Layer liegt unterhalb der oben beschriebenen Streckenbewertung. Wer die Schneemengen ohne die Risiko-Einfärbung betrachten möchte,der clicke auf "In map.geo.admin.ch ansehen" und schalte alle Layer ausser den Schneemengen-Layer ab. Die genaue Schneemenge ist natürlich unbekannt. Die Einfärbung kann deshalb nur als ein ungefährer Hinweis verstanden werden.

Farbe Schneemenge Bedeutung
transparent 0..1 m Es hat 0..1 m Schnee: Aufgeteilt in 5 Blöcke zu je 20 cm mit einem je unterschiedlich transparentem weiss.
weiss 1..2 m Es hat 1..2 m Schnee.
hellblau 2..3 m Es hat 2..3 m Schnee.
hellblau 3..4 m Es hat 3..4 m Schnee.
blau 4..5 m Es hat 4..5 m Schnee.
blau 5..6 m Es hat 5..6 m Schnee.

 


3. Wie sollen die Skitourenbewertungen genutzt werden?

Bevor du die Bewertungen von Skitourenguru nutzt, ist es wichtig, dass du ein angemessenes Verständnis vom Zweck der Bewertungen erhältst:

  1. Das Ziel von Skitourenguru liegt in der Erzeugung einer massgeschneiderten Vorauswahl von Skitouren, die möglicherweise "kompatibel" zum aktuellen Lawinenbulletin sind. Durch die Vorauswahl von Skitouren, die möglicherweise "kompatibel" zum aktuellen Lawinenbulletin sind, werden Skitouren ausgeschlossen, die offensichtlich gefährlich sind.
  2. Die Skitourenbewertungen sollen ausschliesslich zu Hause bei der Planung der Skitour zur Anwendung kommen.
  3. Die finale Wahl einer Skitour sollte immer nach klassischer Planung gemäss der 3x3-Regel erfolgen.
  4. Ziel ist zudem, bei der Planung auf kritische Tourenabschnitte hinzuweisen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass das Analyse-Tool alle kritischen Tourenabschnitte erfassen kann.
  5. Während der Skitour verlieren die Skitourenbewertungen ihre Bedeutung. Es kommt das klassische Instrumentarium der 3x3-Regel sowie der Schneemuster zur Anwendung.

Skitourenguru produziert zwei in seiner Qualität unterschiedliche Resultate (Zielbewertung und Streckenbewertung). Diese Resultate sind jeweils unterschiedlich zu werten:

  • Zielbewertung: Primärer Output sind die Bewertungen der Routen, die in Form einer Tabelle präsentiert werden. Skitourenguru hat den Anspruch, dass diese Routen "richtig" klassifiziert sind. Richtig klassifiziert bedeutet, dass eine grüne Route in Wirklichkeit auch grün und nicht orange oder rot sein soll. In der umgekehrten Richtung ist eine fehlerhafte Klassifizierung möglich. Es kann also Routen geben, die unter orange klassifiziert sind, in Wirklichkeit aber doch eher grün sein sollten.
  • Streckenbewertung: Sekundärer Output sind die auf der Swisstopo-Karte eingefärbten Routen. Achtung: Es ist wichtig zu verstehen, dass sich hinter den Farben immer eine Zahl im Bereich [0..3] verbirgt. Wenn ein Abschnitt also orange ist, dann kann es immer noch sein, dass er nahe bei grün liegt (Beispiel 1.04). Ein kurzer oranger Abschnitt muss also noch nicht in jedem Fall tragisch sein. Wenn er jedoch bei 1.98 liegt, dann ist dieser Abschnitt so gut wie rot. Ein roter Abschnitt hingegen kann nie nahe bei grün liegen und ist somit immer ernst zu nehmen. Bei den Karten ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Auf Grund der im nächsten Abschnitt offengelegten Fehlerquellen kann es sein, dass einzelne Routenabschnitte falsch bewertet sind (zu streng, zu wenig streng). Auf Grund eines statistischen Effekts unterliegen die Streckenbewertungen einer höheren Unsicherheit, als die Zielbewertungen. Die Streckenbewertungen müssen deshalb zurückhaltender interpretiert werden.

4. Welchen Unsicherheiten unterliegen die Skitourenbewertungen?

Das folgende Bild zeigt, aus welchen Daten und Prozessen die Skitourenbewertungen entstehen. Sowohl die Daten, wie auch die Prozesse unterliegen Unsicherheiten.

Höhenmodell

  • Skitourenguru arbeitet mit dem Höhenmodell SwissAlti3D (Auflösung 10 m). Bei einer Genauigkeit von 1-2 m sind die Unsicherheiten punkto Höhenmodell zu vernachlässigen. Mehr zum Thema Höhenmodell findet sich hier.

Digitalisierte Skitouren

  • Die Skitouren werden nach bestem Wissen und Gewissen mit modernsten Mitteln digitalisiert. Dennoch können die Routen suboptimal oder in Einzelfällen sogar falsch gelegt sein.
  • Das Tool bewertet die Skitouren auf dem digitalisierten Routenverlauf. Die Bewertungen stimmen nur, wenn die Route im Auf- und Abstieg wie auf der Karte eingetragen, begangen wird.
  • Jede Route kann Passagen enthalten, die zu Fuss bewältigt werden müssen. Solche Passagen können nicht näher bezeichnet werden, da weder die Verhältnissen, noch das Können der Schneesportler bekannt ist.

Aktuelles Lawinenbulletin des SLF

  • Die Prognose-Treffsicherheit des Lawinenbulletins liegt gemäss einer SLF-Umfrage aus dem Jahre 2014 bei ca. 80 %. Genau genommen handelt es sich bei diesem Wert eher um das Niveau des Vertrauens, das die Benutzer dem Lawinenbulletin entgegenbringen. Die eigentliche Prognose-Treffsicherheit des Lawinenbulletins kann nicht bestimmt werden.
  • Es ist absolut zentral zu verstehen, dass das SLF im Lawinenbulletin letztendlich eine Prognose der Lawinengefahr erstellt. Es muss unmittelbar einleuchten, dass jede Prognose mit einer Unsicherheit verbunden ist. Die Gültigkeitsperiode der Prognose ist in jedem Lawinenbulletin bezeichnet. In der Regel hat die Prognose Gültigkeit für den laufenden Tag (Bulletin das am 8.00 h erscheint) bzw. für den nächsten Tag (Bulletin das am 17.00 h erscheint). Da die Daten des Lawinenbulletins in den Algorithmus von Skitourenguru einfliessen, haben auch die Bewertungen von Skitourenguru Prognosecharakter.
  • Das Lawinenbulletin ist hoch generalisiert, macht also Aussagen zu Gebieten und nicht zu Einzelhängen. Während der Planungsphase darf das Lawinenbulletin zwar als Planungsspiel auf den Einzelhang angewandt werden, der hohe Generalisierungsgrad äussert sich jedoch in einer Unschärfe der Schlussresultate.
  • Die GRM entnimmt dem Lawinenbulletin lediglich die folgenden Informationen: Gefahrenzonen, Gefahrenstufen und Kernzonen-Informationen (kritische Höhen, kritische Expositionen). Die Qualitativen Aspekte der Begleittextes können nicht genutzt werden, da entsprechende Modelle nicht existieren. Dies gilt namentlich, wenn vor Gleitschnee- bzw. Nassschneelawinen unterhalb einer spezifischen Höhenstufe gewarnt wird, dies aber in der Kernzonen-Information nicht so spezifiziert wird.
  • Die Feinskalierung der Gefahrenstufe durch Textauswertung kann in Einzelfällen zu einer Verfälschung der Gefahrenstufe führen.
  • Solange die SLF das Lawinenbulletin nicht in maschinenlesbarer Form (z.B CAAML) anbietet, kann Skitourenguru nicht garantieren, dass die Daten aus dem Lawinenbulletin korrekt eingelesen werden. In Bayern, Tirol, Steiermark und Alto Adige stehen bereits öffentlich zugängliche, maschinenlesbare Lawinenbulletins zur Verfügung!

Grafische Reduktionsmethode (GRM)

  • Die GRM berücksichtigt selbstredend keine anderen Gefahren ausser der Lawinengefahr. Die Bergwelt wartet jedoch mit einer Reihe weiterer Gefahren auf: Absturz, Blockierung, Steinschlag, Eisschlag, Gletscherspalten, Erschöpfung oder andere gesundheitliche Risiken. Alle diese Risiken müssen bei der Planung einer Skitour angemessen berücksichtigt werden.
  • Gemäss Lehrmeinung funktioniert die GRM bei Neuschnee gut (GRM nützlich), bei Altschnee mässig gut (GRM defensiv anwenden) und bei Triebschnee bzw. Nassschnee wenig gut (GRM wenig nützlich).
  • Es gibt keine starke wissenschaftliche Evidenz zur GRM, weder eine theoretische, noch eine empirische. Eine der wenigen Arbeiten, die sich der statistischen Validierung der Munterschen Reduktionsmethode angenommen hat, wurde von Christian Pfeifer in Natural Hazards (2008) veröffentlicht.
  • Die GRM entnimmt dem Lawinenbulletin lediglich die folgenden Informationen: Gefahrenzonen, Gefahrenstufen und Kernzonen-Informationen (kritische Höhen, kritische Expositionen). Der Begleittext wird analysiert, um eine Feinskalierung der Gefahrenstufe vorzunehmen, nichtsdestotrotz können alle qualitativen Aspekte des Begleittextes nicht genutzt werden, da entsprechende Modelle nicht existieren.
  • Die GRM lässt weitere Faktoren, wie Schneeaufbau, Schneemuster, Wetter, Temperatur, Gruppenformation (Ausbildungsstand, Gruppendynamik, ect.) und auch den Zeitplan ausser acht.
  • Die GRM fokussiert auf Hangneigungen, damit werden Hanggrösse und Geländeformen (konvex, konkav) nicht miteinbezogen.

Implementierter Algorithmus

  • Der Algorithmus arbeitet mit ein paar zwar plausiblen, aber letztendlich willkürlichen Annahmen. Mehr dazu im Kapitel Hintergrund.

Für die Zuschrift von weiteren Einschränkungen sind wir dankbar. Kontaktaufnahme über diesen Link.

Wie man sieht, existieren eine Reihe von Unsicherheiten, die sich gegenseitig beeinflussen. So können sie sich gegenseitig verstärken, aber auch kompensieren. Wer mit den Skitourenbewertungen von Skitourenguru arbeitet, muss sich dieser Einschränkungen bewusst sein.